Lazarus von Schwendi

War einer der berühmtesten Pfandherren der Herrschaft und einer der klügsten Männer seiner Zeit. Er entstammte einem oberschwäbischen Rittergeschlecht und trat, nach Studienjahren bei bekannten Lehrern an den Universitäten Basel und Straßburg, in den Dienst Kaiser Karls V. Trotz seiner Jugend wurde Schwendi mit sehr heiklen diplomatischen Aufgaben betraut: Er sollte die protestantisch gewordenen norddeutschen Fürsten und Reichsstädte wieder zur Beachtung der Reichsgesetze und zur Befolgung der kaiserlichen Erlasse veranlassen. 

Der 1546 ausbrechende Schmalkaldische Krieg gab ihm Gelegenheit sein militärisches Können zu zeigen. Allerdings mag gerade diese Auseinandersetzung zwischen dem katholischen Kaiserhaus und den evangelischen Fürsten Schwendi erkennen lassen haben, daß Karl V. nicht die bedeutende Kaisergestalt war, die das Reich in jenen turbulenten Zeiten benötigt hätte. Er trat daher in den Dienst Philipp II. von Spanien und hatte an dessen Kämpfen in den Niederlanden hervorragenden Anteil. In späteren Jahren nahm er an den Feldzügen gegen die Türken teil und wurde 1564 zum Obersten über alles deutsche Kriegsvolk in Ungarn ernannt. Ungeachtet des miserablen Zustandes seiner Truppen errang Schwendi große Erfolge; so eroberte er z. B. die starke Festung Tokay. Zeitgenossen berichteten, dass die Türken vor Schwendi mehr Respekt gehabt hätten, als vor „dem ganz hör, so ist unten gewest“. Kaiser Maximilian II. ernannte den Haudegen zum Generalobersten und machte ihn zu seinem militärischen Berater. 1569 nahm er seinen Abschied aus dem Dienst, um sich seinen recht umfangreich gewordenen Besitzungen zu widmen.

Als Burgvogt von Breisach hatte Schwendi die Herrschaft Burkheim und den Talgang kennen gelernt. Er erwarb sie 1560 als Lehen und erhielt sie schon ein Jahr später auf sein Leben lang unlösbar übertragen. Sogleich ging er ans Werk, es begann der Aufbau der Burkheimer Burg. In zehnjähriger Arbeit entstand das Herrenhaus, dessen Ruine heute noch das Städtchen überragt und vom hohen Kunstsinn des Schlossherrn erzählt. Der Bau verschlang die damals unerhörte Summe von 13 100 Gulden. Daneben erwarb er Liegenschaften, etwa 12 Hektar Acker und 4 Hektar Wiesen, die hiesige Mühle, den Ziegelhof, die Badstube und den Mühlenweiher. Wenn sich Schwendi beim Erwerb der Grundstücke auch nicht immer sauberer Mittel bediente, so lag ihm dennoch das Wohl seiner Untertanen am Herzen. Er erließ eine neue Fronordnung, die weniger beschwerlich war als vordem, setzte die Löhne und Preise fest und bestimmte sogar den Speisezettel für die Fronarbeiter und Dienstleute. In den religiösen Fragen war er toleranter als seine Zeitgenossen. Größtmögliche Sorge wandte der Pfandherr auch für die Stadt Burkheim auf. Er kümmerte sich um die Befestigungsanlagen und das Verteidigungswesen des Städtchens, er ordnete das Schulwesen und sorgte sich um die hygienischen Verhältnisse, er stiftete ein Spital und gab dazu ein ihm gehöriges Haus. Besonderes Anliegen war ihm die Förderung der sozialen Verhältnisse. So sorgte er sich auch um die Nachtwächter und ließ diese unter Eid geloben „den gemeinen Nutz zu fördern“. Der schon von früher bestehenden Fischerzunft gab er neue, durchdachte Satzungen. 1571 gestattete er den Handwerkern den Zusammenschluss in einer Zunft, und am gleichen Tag gründete er die Zunft der Bauern und Rebleute. Beiden schuf der weitsichtige Mann Ordnungen, die lange Zeiten hindurch Bestand hatten.

Ein Denkmal im Schloss rühmt ihn als den Überbringer der Tokayerrebe an den Kaiserstuhl, doch ist dafür allerdings bis heute kein Beweis erbracht. Sicher ist jedoch, dass sich der mächtige Pfandherr um die Landwirtschaft sehr bekümmert zeigte. Er ließ im Schlossgarten eine Versuchsanstalt einrichten, in der neue Pflanzmethoden erprobt wurden. Er ließ aus Italien, Spanien und Ungarn neue Sämereien kommen und ihr Wachstum in hiesigem Klima erforschen.

So ist es kein Wunder, dass Burkheim in der Zeit bis zu seinem 1583 erfolgten Tode eine politische und wirtschaftliche Blüte erreichte wie nie zuvor und niemals nachher. Lazarus von Schwendi, unehelich geboren, Freiherr von Hohenlandsberg, Herr über die Reichsvogtei Kaysersberg, Herr von Burkheim, Triberg und Kirchhofen, war eine einmalige Erscheinung unter den Pfandherren.